Archiv der Kategorie 'Politik'

sind autos mehr wert als menschenleben?

wie hinlänglich bekannt sein sollte, wurden in den letzten wochen mehrere linke in berlin festgenommen, weil sie im verdacht standen, autos angezündet zu haben. da darüber schon genug geschrieben wurde, verweise ich nur auf die soliseite für christoph und alex.

wie die berliner zeitung heute berichtet, haben drei junge männer im alter von 17 bis 23 jahren am vergangenen donnerstag einen 19-jährigen mitschüler mit einer brennbaren flüssiglkeit besprüht und angezündet. alle vier machen eine ausbildung zum maler und lackierer in groß kreutz (potsdam-mittelmark). wie durch ein wunder wurde der angegriffene nicht lebensgefährlich verletzt und liegt momentan mit brandverletzungen an rücken, nacken, hinterkopf und einer hand im unfallkrankenhaus berlin.
die berliner zeitung zitiert den polizeisprecher folgendermaßen:

„Die Tatverdächtigen wussten sehr wohl, was sie taten.“

dennoch wurden sie nach der vorläufigen festnahme nicht etwa in untersuchungshaft genommen, sondern wieder frei gelassen.

Gegen die drei mutmaßlichen Täter von Götz, die bisher nicht polizeilich bekannt waren, wird nun wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt. Die jungen Männer kamen am Freitagnachmittag wieder auf freien Fuß. Nach Ansicht der Potsdamer Staatsanwaltschaft liegt gegen sie kein Haftgrund vor.

was mag die begründung für die freilassung gewesen sein? haben die drei tatverdächtigen eventuell einen festen wohnsitz, einen gefestigten freundeskreis und ein festes arbeitsverhältnis bzw. in diesem fall eine ausbildung? besteht deswegen keine fluchtgefahr? ich weiß nicht, ob die staatsanwaltschaft auf grund dieser kriterien die freilassung veranlasst hat. aber wenn sie genau diese der freilassung zu grunde gelegt hat, frage ich mich, wieso alex dann wegen angeblicher fluchtgefahr fünf (!) monate unschuldig in untersuchungshaft gesessen hat. denn auch sie hatte ein festes ausbildungsverhältnis, einen festen freundeskreis und einen festen wohnsitz. aber wer weiß: am ende ist die (schein-)sicherheit der autos der berliner steuerzahler wichtiger, als die gesundheit eines 19-jährigen angehenden malers, der sowieso schon länger gehänselt wurde und von daher wohl keine lobby erwarten darf.

Lesen lernen mit der Antifa

Meine Tochter ist ja sehr begeistert, was Lesen angeht. Sie kann nicht anders, das sind nun wirklich ihre Gene. Genauso wie das Kinobesuchen, dem sie am Samstag mit dem Autor gefrönt hat. Auf dem Rückweg, wie sollte es anders sein, bescherte Ihnen die wunderbare BVG Pendelverkehr und sie standen vor einer vollgeschmierten Wand und warteten auf das private Taxi, das sie abholen sollte.

Und was tut eine gerade fast des Lesens mächtige, schwer gelangweilte 6jährige? Sie liest. Laut.

„Nnnnn….Naaaaaaa….Naaaassss…..Was ist das für ein Buchstabe, Daddy?“

„Das ist ein Z.!“

„Naaaaziiiiiiiis, Nazis, ggggg…..giiiiiiiii….gibbbt….gibts…“

Natürlich las sie das laut und sehr vernehmlich in einer Meute von Leuten gelesen, bis sie irgendwann die Lust verlor. Und bevor sie, fragen konnte, was „Nazis gibt´s in jeder Stadt. Bildet Gruppen und macht sie platt“ bedeutet, wurde der Autor vom nahenden Mutterschiff gerettet. Wofür er sehr dankbar war.

Es ist nicht einfach, ein Kind in der Großstadt lesen lernen zu lassen.

via possums welt

60 jahre (sind 60 zuviel)

christoph stölzl schreibt in der berliner morgenpost:

An einem aufgegebenen Schaufenster klebt groß: „Antinationale Parade – Etwas Besseres als die Nation. Gegen die Herrschaft der falschen Freiheit“. Man sieht das Foto eines tätowierten Mannes mit schweißnassem , nacktem Oberkörper. Der Kerl zerknüllt eine schwarz-rot-goldene Fahne. Darunter die Unterstützer der Hass-Botschaft gegen die Verfassungsfeier am 23. Mai: eine Serie exotischer Gruppen, von Antifa Erkner bis zu Love Techno-Hate Germany! Niemand in der friedlichen Straße reißt das widerliche Machwerk ab, nur ein paar Ecken weiter klebt es schon wieder. Ob irgendeinem der Passanten der Gedanke kommt, dass es die Verfassung von 1949 ist, aus deren Auftrag das Asylrecht, die Integrationshilfen, der Sozialstaat kommen?

soso. widerliches machwerk also. warum? weil es die selbstgefälligkeit der deutschen in frage stellt? vom „asylrecht“ wird, zumindest auf den plakaten, gar nicht gesprochen. aber wenn es für herrn stölzl (von der cdu) symbolisch für deutschland steht, dann verweise ich an dieser stelle auf einen früheren blog-eintrag von mir, um ihm die realität vor augen zu führen. nichts mit asylrecht, höchstens von „gelenkter einwanderung“ kann man da noch sprechen. nur wer gut ist, entsprechend gebildet und deutschland voran bringt, darf noch rein, um hier zu arbeiten. und wer nicht ins schema passt, der bekommt die „integrationshilfe“ auf deutsche art beigebracht.
eigentlich kann man nur hoffen, dass nicht alle link(sradikal)en auf die antinationale parade gehen, sondern auch genügend den protest ins herz auf die partymeile der bestie auf der straße des 17. juni tragen, damit die selbstbeweihräucherung der „geläuterten nation“ nicht unwidersprochen bleibt.

mein … ist wichtiger als deutschland!

weil ich dir leute, die straßen aus zucker machen, so mag, und es gerade mode zu sein scheint, poste ich an dieser stelle auch mal meine „layouts“ zu den stickern:
wichtiger

1. mai und verletzte cops

die berliner polizei hat in einer pressemitteilung darauf hingewiesen, dass sich die „Anzahl der am 1. Mai verletzten Polizeibeamten […] erhöht“ hat. aber zitieren wir der vollständigkeit halber lieber komplett:

Eingabe: 04.05.2009 – 18:15 Uhr
Anzahl der am 1. Mai verletzten Polizeibeamten hat sich erhöht
Tempelhof – Schöneberg

# 1317

Die Zahl der nach dem Einsatz am 1. Mai in Berlin verletzten Polizeibeamten hat sich nach den heute vorliegenden Meldungen auf 440 erhöht. Von den 311 Berliner Beamtinnen und Beamten mussten 19 ambulant in einem Krankenhaus behandelt werden. Insgesamt 21 Dienstkräfte konnten ihren Dienst nicht fortsetzen. Von den Unterstützungseinheiten aus anderen Bundesländern wurden 129 Einsatzkräfte verletzt.
Im Zusammenhang mit vergleichbaren Großeinsätzen kommt es regelmäßig vor, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Stunden und sogar Tage später Verletzungen spüren beziehungsweise feststellen und diese dann nachmelden.

interessant. 440 verletzte beamte hab also angegeben, dass sie am 1.mai verletzt wurden. 19 von ihnen mussten sogar ambulant in einem krankenhaus behandelt werden, wurden also leicht verletzt. nun würde mich aber dennoch sehr interessieren, was für „verletzungen“ jene 421 beamte „erlitten“ haben, die nicht ambulant im krankenhaus versorgt werden mussten. haben sie sich beim naseboren den finger zu weit in die nase gesteckt? mal wieder an der eigenen spucke verschluckt? sind sie beim rennen über die eigenen füße gestolpert? oder haben sie etwa das pfefferspray der kollegen in die fresse bekommen?
was mich bei dieser zahl von 440 verletzten, auf die die (boulevard-)medien doch garantiert wieder anspringen werden, wie ein seit wochen hungernder straßenköter auf ne runtergefallene currywurst, aufregt, ist die nichtüberprüfbarkeit. es kann doch jeder bulle in den tagen nach dem 1.mai sagen, oh, ich hab da nen blauen fleck am arm, der ist zwar eigentlich schon gelb, aber egal, da hat mich bestimmt am 1.mai so ein blöder chaot verletzt. letztendlich ist nur die zahl der 19 im krankenhaus behandelten bullen überprüfbar, alles andere, nun, nicht leeres geschwätz, aber zumindest mit vorsicht zu genießen.
wobei: ich hab mich am 1.mai auch verletzt. ich hab mir beim gemüseschneiden den fingernagel eingeritzt. soll ich dazu jetzt eine pressemitteilung schreiben?




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