Archiv für September 2010

erste eindrücke

Die ersten zwei wochen außerhalb der „heimat“ sind überstanden – zeit für eine zwischenbilanz.

Woche nummer 1 war die der eingewöhnung. Gucken, wie die gastfamilie ist, gespannt sein auf die sprachschule, aufpassen, vom linksverkehr nicht über den haufen gefahren zu werden, kennenlernen einer anderen währung.

Die gastfamilie ist okay, ein gemütliches rentnerehepaar, das spaß versteht und seit 25 jahren sprachschüler beherbergt. Eine „gastschwester“, die auf die gleiche schule geht wie ich und mir den einstieg ein wenig erleichterte.

Von den gewöhnungsbedürftigen regeln der sprachschule hab ich bereits in berlin erfahren. In der realität ist es dann aber doch noch krasser. Es ist verständlich, dass eine sprachschule möchte, dass nur englisch gesprochen wird, damit auch außerhalb des unterrichts „geübt“ wird. Witzig und (eigentlich) eine gute idee, dass jeder 10 pence (p) zahlen muss, der eine andere sprache spricht und dabei erwischt wird. Das so gesammelte geld kommt einer indischen hilfsorganisation zugute. Im laufe der jahre sind dabei über 16.000 pfund zusammen gekommen und die organisation schickt immer wieder bilder, die die aufbauarbeit dokumentiert.

In woche nummer 2 sind erste gewohnheitseffekte eingetreten. Die betreffen zum großen teil die schule, in der ich bis dezember noch einen großteil meiner zeit verbringen darf muss. Denn erst danach beginnt meine praktikumszeit, die ich hoffentlich in london verbringen kann.

Die schule ist ein ehemaliges hotel, teilweise sehr verwinkelt, eng und für geschätzte 150 leute meines erachtens nach zu klein. winzige „klassenräume“, zwischen 10-13 schüler pro klasse. Mit denen, stühlen, tischen und lehrer ist der raum aber auch schon zu 95% gefüllt. Viel platz zum beine ausstrecken bleibt nicht. Ich habe dabei noch glück, im (nach aussagen anderer) größten raum des hauses die morning- und afternoon-classes verbringen zu dürfen. In den pausen werden die räume generell abgeschlossen, sodass sich 150 leute eine 70cm breite treppe nach unten quetschen. So vergeht schon mal ein viertel der 20-minütigen pause.

Unten wartet meist schon ein schulangestellter, nennen wir ihn mr. X. seine aufgabe ist es (zumindest nehme ich an, dass es seine aufgabe ist, denn das ist die arbeit, bei der ich ihn in den pausen immer beobachten kann) sich überall da rumzutreiben, wo schüler sind. Das ist hauptsächlich der bereich zwischen treppe, rezeption, „restaurant“ und dem garten samt smoking area. Wenn sich nun 150 schüler die treppe runterzwängen, wartet er meist unten, um jeden, der auch nur zwei sekunden stehen bleibt, zum weitergehen auffordert. Mr. X ist ein paradebeispiel für die kontrollfunktion der lehrer, die darauf achten, dass nur englisch gesprochen wird. Es meldet sich nun mal nicht jeder schüler freiwillig, um seine 10p abzudrücken, wenn er gerade spanisch/deutsch/koreanisch/russisch/französisch oder klingonisch redet.

Mr. X verbringt die mittagspause immer im restaurant, das eigentlich nicht mehr ist als ein großer gemeinschaftsraum mit angeschlossenem verkaufsstand. Hier kann man schokoriegel, sandwiches, kaffee und hamburger mit chips kaufen. Obst, gemüse oder fruchtsäfte sind fehlanzeige. Wagt es doch mal jemand, sich woanders etwas zum mittag zu kaufen und es in der cafeteria zu verzehren, steht auch schon mr. X vor einem. Er verweist darauf, dass das restaurant zum business des verkäufers gehört und der verzehr von woanders gekauften speisen dort nicht erlaubt ist. Die einzige ausnahme bilden sachen, die sich die schüler zu hause zubereitet haben. Als einzige alternative bleibt dann die flucht in den durchgangsbereich zur smoking area. Zwei tische, mehrere stühle und viel publikumsverkehr. Da macht das essen richtig spaß.




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