Archiv für Mai 2009

60 jahre (sind 60 zuviel)

christoph stölzl schreibt in der berliner morgenpost:

An einem aufgegebenen Schaufenster klebt groß: „Antinationale Parade – Etwas Besseres als die Nation. Gegen die Herrschaft der falschen Freiheit“. Man sieht das Foto eines tätowierten Mannes mit schweißnassem , nacktem Oberkörper. Der Kerl zerknüllt eine schwarz-rot-goldene Fahne. Darunter die Unterstützer der Hass-Botschaft gegen die Verfassungsfeier am 23. Mai: eine Serie exotischer Gruppen, von Antifa Erkner bis zu Love Techno-Hate Germany! Niemand in der friedlichen Straße reißt das widerliche Machwerk ab, nur ein paar Ecken weiter klebt es schon wieder. Ob irgendeinem der Passanten der Gedanke kommt, dass es die Verfassung von 1949 ist, aus deren Auftrag das Asylrecht, die Integrationshilfen, der Sozialstaat kommen?

soso. widerliches machwerk also. warum? weil es die selbstgefälligkeit der deutschen in frage stellt? vom „asylrecht“ wird, zumindest auf den plakaten, gar nicht gesprochen. aber wenn es für herrn stölzl (von der cdu) symbolisch für deutschland steht, dann verweise ich an dieser stelle auf einen früheren blog-eintrag von mir, um ihm die realität vor augen zu führen. nichts mit asylrecht, höchstens von „gelenkter einwanderung“ kann man da noch sprechen. nur wer gut ist, entsprechend gebildet und deutschland voran bringt, darf noch rein, um hier zu arbeiten. und wer nicht ins schema passt, der bekommt die „integrationshilfe“ auf deutsche art beigebracht.
eigentlich kann man nur hoffen, dass nicht alle link(sradikal)en auf die antinationale parade gehen, sondern auch genügend den protest ins herz auf die partymeile der bestie auf der straße des 17. juni tragen, damit die selbstbeweihräucherung der „geläuterten nation“ nicht unwidersprochen bleibt.

mein … ist wichtiger als deutschland!

weil ich dir leute, die straßen aus zucker machen, so mag, und es gerade mode zu sein scheint, poste ich an dieser stelle auch mal meine „layouts“ zu den stickern:
wichtiger

1. mai und verletzte cops

die berliner polizei hat in einer pressemitteilung darauf hingewiesen, dass sich die „Anzahl der am 1. Mai verletzten Polizeibeamten […] erhöht“ hat. aber zitieren wir der vollständigkeit halber lieber komplett:

Eingabe: 04.05.2009 – 18:15 Uhr
Anzahl der am 1. Mai verletzten Polizeibeamten hat sich erhöht
Tempelhof – Schöneberg

# 1317

Die Zahl der nach dem Einsatz am 1. Mai in Berlin verletzten Polizeibeamten hat sich nach den heute vorliegenden Meldungen auf 440 erhöht. Von den 311 Berliner Beamtinnen und Beamten mussten 19 ambulant in einem Krankenhaus behandelt werden. Insgesamt 21 Dienstkräfte konnten ihren Dienst nicht fortsetzen. Von den Unterstützungseinheiten aus anderen Bundesländern wurden 129 Einsatzkräfte verletzt.
Im Zusammenhang mit vergleichbaren Großeinsätzen kommt es regelmäßig vor, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Stunden und sogar Tage später Verletzungen spüren beziehungsweise feststellen und diese dann nachmelden.

interessant. 440 verletzte beamte hab also angegeben, dass sie am 1.mai verletzt wurden. 19 von ihnen mussten sogar ambulant in einem krankenhaus behandelt werden, wurden also leicht verletzt. nun würde mich aber dennoch sehr interessieren, was für „verletzungen“ jene 421 beamte „erlitten“ haben, die nicht ambulant im krankenhaus versorgt werden mussten. haben sie sich beim naseboren den finger zu weit in die nase gesteckt? mal wieder an der eigenen spucke verschluckt? sind sie beim rennen über die eigenen füße gestolpert? oder haben sie etwa das pfefferspray der kollegen in die fresse bekommen?
was mich bei dieser zahl von 440 verletzten, auf die die (boulevard-)medien doch garantiert wieder anspringen werden, wie ein seit wochen hungernder straßenköter auf ne runtergefallene currywurst, aufregt, ist die nichtüberprüfbarkeit. es kann doch jeder bulle in den tagen nach dem 1.mai sagen, oh, ich hab da nen blauen fleck am arm, der ist zwar eigentlich schon gelb, aber egal, da hat mich bestimmt am 1.mai so ein blöder chaot verletzt. letztendlich ist nur die zahl der 19 im krankenhaus behandelten bullen überprüfbar, alles andere, nun, nicht leeres geschwätz, aber zumindest mit vorsicht zu genießen.
wobei: ich hab mich am 1.mai auch verletzt. ich hab mir beim gemüseschneiden den fingernagel eingeritzt. soll ich dazu jetzt eine pressemitteilung schreiben?




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